Geschäftsstelle

Bitte beachten Sie: In der Zeit vom 22. Juli bis 12. August geht die Akademie Menschenmedizin in die Sommerpause. In dieser Zeit sind wir nur im Notfall für Sie erreichbar, Ihre Mails lesen und beantworten wir danach.

 

Ihre Ansprechpartnerin

Fosca Tóth

Geschäftsleiterin amm

T +41 (0)79 237 71 32

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Präsidentin amm

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mitglieder@menschenmedizin.ch

 

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Fosca Tóth: Die neue amm-Geschäftsleiterin im Gespräch

«Menschenmedizin» – konntest du mit diesem Begriff etwas anfangen, bevor du mit der amm in Kontakt gekommen bist?

 

Mein Vater ist Arzt, so war die Medizin in meinem Leben immer präsent. Ich habe aber auch schnell gemerkt, dass für mich zur Gesundheit mehr gehört als das, was die Schulmedizin abdeckt: Es geht um ein Wohlbefinden, und dazu gehören Körper und Geist. Beides sind Instrumente, die uns für ein möglichst glückliches Leben zur Verfügung stehen, die aber eben auch beide beeinträchtigt sein können. Mit dieser Dialektik müssen wir uns auseinandersetzen. Dieses Denken habe ich bei der amm wiedergefunden, und das hat mein Interesse geweckt.

 

Was ist dein beruflicher Hintergrund und wie kam dann der Kontakt zur amm zustande?

 

Ich habe in verschiedener Form im Kommunikationsbereich gearbeitet, wobei mich immer die Vermittlung interessiert wie auch die dazu gehörende strategische und gestalterische Konzeption von Inhalten. Besonders faszinieren mich Projekte, bei denen gefragt ist, neue Wege zu gehen, scheinbar gefestigte Strukturen neu zu denken und bei denen auch anecken gefragt ist. Das trifft auf die amm in besonderem Masse zu. Ich bewundere, wie hier problematische Entwicklungen des «Mainstreams» im Gesundheitswesen nicht einfach hingenommen werden. Diese Beharrlichkeit und das facettenreiche Engagement der amm haben mich angesteckt und mich dafür begeistert, mich ebenfalls hier zu engagieren. 

 

Ich bin dann aus eigenem Antrieb auf die amm zugegangen. Einmal, weil ich zu 100% hinter ihren Themen und Anliegen stehe; es sind, wie beschrieben, auch meine Themen. Und dann natürlich auch, weil ich daran glaube, dass ich dazu beitragen kann, diesen Anliegen noch mehr öffentliches Gewicht zu verleihen. Dass ich auf offene Ohren gestossen bin, hat mich natürlich gefreut.

 

Wo kann sich die amm noch verbessern?

 

Die amm verfügt über ein hervorragendes Netzwerk und enorm viel Wissen-. Ich glaube aber, dieses Potenzial kann man noch gezielter an die Öffentlichkeit tragen. Ich bin überzeugt, dass das grundsätzliche Interesse da ist und noch wachsen wird, schliesslich ist jede und jeder in der Schweiz von den Entwicklungen im Gesundheitswesen betroffen. Doch welche Rolle kann die amm hierbei einnehmen? Welche Bedeutung soll der amm zugeschrieben werden? Die Themen, die die amm bewirtschaftet, sind von höchster Aktualität, und die Problemlagen im Gesundheitswesen, die sie anprangert, werden sich weiter akzentuieren.

 

Welche Missstände im Gesundheitswesen findest du besonders stossend?

 

Zum einen natürlich die Kostenexplosion: In einem Bereich, der auch so kostenintensiv genug ist, können wir uns unnötige Kosten, Fehlanreize und kurzsichtiges Gärtchendenken nicht leisten. Das Gesundheitswesen muss für alle gleichermassen zugänglich bleiben, bei der Grundversorgung darf es keine Kompromisse geben.

 

Zweitens wünsche ich mir, dass ganzheitliche, interdisziplinäre und alternative Behandlungsansätze gestärkt werden, auch bei der Finanzierung. So könnten Vorlieben bei der Wahl der Behandlung berücksichtigt werden: Menschen sind verschieden, nicht für jede und jeden ist die gleiche Behandlung die beste. Die Entwicklung hin zu einem überindividualisierten Systems erachte ich aber ebenso als ungünstig. Ein menschengerechtes Zwischenmass ist gefragt.

 

Und drittens vermisse ich besonders im Pharmabereich unabhängige Kontrollinstanzen: Die Forschung bestimmt weitgehend selber, wozu geforscht wird. Das wirtschaftliches Interesse der Konzerne mag einen wichtigen und durchaus legitimen Antrieb darstellen, aber es darf nicht der einzige sein – das Kriterium, in welchem Bereich Verbesserungen besonders vielen Menschen helfen könnten, gehört an die erste Stelle. Die Allgemeinheit, die das Gesundheitswesen ja letztlich finanziert, muss mitreden dürfen, zum Beispiel im Rahmen einer Expertenkommission.

 

Interview: Stephan Bader