Welche Krebs-Checkups machen Sinn?

Was bringen häufige Krebs-Screenings und wem nützen sie? Eher den Patienten oder den Kassen derjenigen, die die Checkups anbieten?
SRF Ratgeber, 30. Oktober 2017, Kommentar von Vorstandsmitglied Dr. med. Christian Hess

Brustkrebs, Dickdarmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs. Sie sollen mit häufigen – oft jährlichen – Screenings früh genug entdeckt werden. Eine gute Sache?

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Ingnoranz oder Gewinn orientiert - Kommentar Dr. med. Christian Hess:

Erschreckend!

In der Sendung Ratgeber von  Radio DRS 1 vom 30.10.2017 wird das Thema "sinnvolle  Screeninguntersuchungen" mit Prof. Dr. med. Markus Borner, Chefarzt Onkologie am Spital Biel und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Onkologie besprochen.
Das  erschreckende Fazit:
Fast alles was in den letzten Jahren mit viel wissenschaftlichem Aufwand und Steuergelder an Evidenz erarbeitet wurde, wird "ohne wenn und aber"  wieder über Bord geworfen. So wird das  Brustkrebs Screening (sog. Mammografie) wieder ab 50 Jahren alle 2 Jahre empfohlen, obwohl das sog. SwissMedical Board als unabhängiges Expertengruppe dies nicht empfiehlt und in der Folge z.B. der Kanton Zürich konsequenterweise auf dessen Einführung verzichtete. Gleiches gilt für das PSA (Prostata spezifisches Antigen), das den Männern ab 50 jährlich empfohlen wird, vom Swiss Medical Board (und anderen internationalen, unabhängigen Gremien) zur Zeit aber nicht empfohlen wird. Der Abstrich bei Frauen soll jährlich durchgeführt werden, ohne darauf hinzuweisen, dass nach dreimaligem Normalbefund eine Kontrolle nur noch alle 3 Jahre empfohlen wird. Zudem zeigen neuere Untersuchungen, dass wahrscheinlich (v.a. für junge, geimpfte Frauen) auch das viel zu häufig ist. Und schliesslich wird das mehr als umstrittene Lungenkrebs Screening bei Rauchern ebenfalls alle 2 Jahre empfohlen.
Nur gerade die Empfehlung zum Dickdarmkrebs Screening ab 50 Jahren, alle 10 Jahre, ist aus heutiger Sicht vertretbar, wenn auch mit marginalem Nutzen.

Ignoranz oder Gewinn orientiert?

Dr. med. Christian Hess

Vorstand Akademie Menschenmedizin

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Kommentar Dr. med. Christian Hess (PDF)
Ratgeber DRS 1, 30.10.2017, Kommentar.pd
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